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Wir können erst beginnen, die Welt zu verstehen, wenn wir verstehen, dass wir sie nie verstehen werden.

 

Nicht einzelne Entscheidungen, politische Programme, Zufälle oder aufsehenerregende Aktionen verändern die Welt, sondern Strukturen.

 

Kybernetisch zu denken, ist erfüllend, es entspricht unserer Natur, es macht Spaß. Frei von den Fesseln unserer linearen Kultur des Denkens, Erkenntnisse auf sich einströmen zu lassen, ist wie das Öffnen des Fensters in einem stickigen Raum.

 

Zum ‚Guten’ gekürter Wille scheint sich gern mit Willkür zu paaren.

 

Die humanitäre Bewegung war früher der Versuch, kollektiv einzelnen Schwachen sinnvoll zu helfen; heute, jenseits der Mitte, hilft es einzig dem kollektiven Schwachsinn.

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt.

 

Spielen ist Lernen, und Gedankenspiele sind das Lernen des Denkens.

 

...schließlich muss die Kuh auch keine Kuhwissenschaftler haben, um das schönste Gras zu finden und zu wissen, wie man es frisst.

 

Es spielt keine Rolle, ob wir aus Freiem Willen tun, was wir tun: Es verändert in jedem Falle die Welt.

 

Die Schuld hat ihre Schuldigkeit getan.

 

So entsteht aus der individuellen Freiheit eine kollektive Befangenheit.

 

Die Moral wird nicht außer Kraft gesetzt, nur weil wir nicht frei handeln können.

 

Die Motte wird mit und ohne Freien Willen in die Kerze fliegen. Der einzige Unterschied des Menschen zu seiner lebenden und maschinellen Umgebung ist, dass er lauthals behaupten kann, es gebe einen Freien Willen.

 

Wir geben uns alle Mühe, aus purer Menschlichkeit die positive Entwicklung der menschlichen Art zu verhindern.

 

Die Erfolgsträchtigkeit der Kooperation ist leider keine Garantie, dass Menschen auch tatsächlich kooperieren.

 

Wir halten zunehmend das für die Wirklichkeit, was wir gerne hätten. Wir inszenieren uns eine Alternativwelt.

 

‚Überfluss killt Lebenslust’

 

In einer Gesellschaft ohne Autorität werden aus Kellerkindern Killerkinder.

 

Mode ist der organisierte, fremdbestimmte und meist scheiternde Versuch, den einzelnen in die Lage zu versetzen, mehr zu sein zu scheinen, als er ist.

 

Aus Spiel wird Ernst; aus der Fälschung der Realität eine Realität der Fälschung. Das Computerspiel wird zum Trainingsplatz des ‚realen’ Handelns.

 

Ideologie will nicht lernen, sie will Ziele erreichen.

 

Gerade weil der Mensch immerhin klug genug ist, die Komplexität der Welt zu ahnen, schreckt er vor dem Verstehen zurück. Er stellt sich dümmer als er ist – und das in aller Konsequenz.

 

In der Praxis ergibt sich ein neues geistiges Proletariat, das nichts zu verlieren hat als seine Zigaretten.

Im Gemeinwesen muss es auch mal dem Wesen nach gemein zugehen.

 

Die Freiheit des Individuums als höchstem Gut führt zum Rückzug des Individuums aus gesellschaftlicher Kooperation.

 

Wo der Zeitgeist des Niedergangs unkontrolliert durch gewachsene Werte herrscht, ist der erfolgreich, der als Jugendlicher seine Eltern umbringt und dann Waisenrente beantragt.

 

Früher musste sich das Alphamännchen auf die Brust trommeln, heute muss da eine Marke aufgestickt sein.

 

Die Klassische Moderne ist wie ein Singvogel, der sich auf einen Dauerton beschränkt.

 

Schönheit bedarf der Fähigkeit, sie zu sehen, und der Unfähigkeit, ihre Strukturen zu analysieren.

 

Die Reformer scheuen das Risiko – jedenfalls, wenn es das eigene ist.

 

Dass das Geld die Welt regiert, ist nicht das Problem, sondern dass das Geld derzeit die Welt negiert.

 

So dient der Humanismus als Leitphilosophie der Globalisierung, nur dass nicht alle Menschen Brüder im Geiste der Aufklärung, sondern Brüder im Geiste der Ausbeutung werden.

 

In dubio prosecco.

 

Es gibt viel zu tun: opportun.

 

Aus Mach-Menschen wurden so Macht-Menschen, die unter dem Endzeitmotto „Keiner machts für niemand“ arbeiten.

 

Des Kaisers neue Kleider werden von Nieten zusammengehalten.

 

Die Globalisierung ist nicht nur eine ökonomische Weltrevolution, sie ist gleichzeitig die Internationale des großen Kapitals.

Zwar hat jeder durchaus das Recht, im Unrecht zu sein, doch sollte er daran gehindert werden, das Recht zu Unrecht zu machen.

 

Wir sind zunehmend verwirrtuell.

 

Früher wurde man von Menschen bedient, heute ist man von den Computern bedient.

 

Fragen sind die Bugwelle der Erkenntnis.

 

Es gibt Wahrscheinlichkeitszonen des Wissens und Handelns, die mehr erspürt als gewusst werden müssen.

 

 

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Konrad Kustos, beziehungsweise derjenige, für den dieses Pseudonym steht, lebt in Berlin, wo er auch geboren wurde. Als Kind gutbürgerlicher Eltern aufgewachsen im Arbeiterbezirk Neukölln wurde ihm das Vermitteln unterschiedlicher Weltsichten sozusagen in die Wiege gelegt. Die Sozialisation in den 70er Jahren und das Leben in einer durch Ideologien geteilten Stadt mag seinen Freiheitsdrang und die Konfliktfreudigkeit gegenüber Autoritäten und eingefahrenen Denkweisen befördert haben. In seiner Jugend widmete er sich der Astronomie und der utopischen Literatur auf der Suche nach den großen kosmischen Wahrheiten, nur um daraus zu lernen, dass die Wahrheiten nicht im großen Ganzen, sondern in der interagierenden Summe kleinster Erkenntnisse hier vor Ort zu finden sind.

Kustos studierte Germanistik, Geografie und Publizistik an der Freien Universität und promovierte über das Spannungsfeld zwischen Unterhaltungsliteratur und Elitenliteratur. Persönliche Schicksalsschläge lehrten ihn gleichzeitig die Demut vor der Gewalt der natürlichen und gesellschaftlichen Prozesse, die das menschliche Leben bestimmen. Viele Jahre arbeitete er als Journalist in leitenden Positionen bei großen Berliner Tageszeitungen.

Als roter Faden durch seine Arbeit ziehen sich die Verteidigung des Normalbürgers gegen elitäre Denkweisen sowie der Versuch, Ideologien zu enttarnen. Da der Niedergang auch vor der Medienlandschaft nicht Halt machte, zog er sich aus dem Berufsleben zurück und schrieb dieses Buch und arbeitete danach am Blog unter gleichem Namen, bis „antifaschistische“ Anschläge ihn zum Verstummen brachten.

Trotz der fatalen Entwicklungen ist er bis heute ein Optimist geblieben, der die Analyse des „Chaos mit System“ auch als Signal zur vielleicht noch möglichen Umkehr versteht. Gleichzeitig sieht er sich heute als unabhängiger Beobachter und Freigeist, der die Freuden dieser Zivilisation genießt, solange das noch möglich ist.